Accademia Vergani

Reisebericht Calabria - unbekannte Schönheit

Unbekannte Schönheit. Ich muss gestehen – zu meiner Schande –, ich hatte keine Ahnung. schlimmer noch, ich habe sie unterschätzt! Ihre Schönheit, Wildheit und Vielseitigkeit. und ich hatte nicht mit ihrem Charme gerechnet und ihrer Bescheidenheit. Sie denken, das ist verliebte Schwärmerei? Wohl wahr und mitnichten! Auch das gestehe ich! Seit neuestem bin ich verliebt und schwärme von Calabria, der südlichen Schönheit an Italiens Fussballen.

 

Vergessen Sie Jules Verne und in 80 Tagen um die Welt, nehmen Sie fünf davon und reisen Sie die nur ca. 80 Kilometer von einer Küste zur anderen. Sie werden überrascht sein, was Sie alles finden. Fein säuberlich fädelt Kalabrien auf, was auch immer das Reiseherz begehrt. Knallend blaues Meer mit weiss gleissenden Sandstränden, liebliche Hügel mit Oliven- und Pfirsichhainen oder wildes, zerklüftetes Gebirge. Antike Tempel, verschlafene Mittelalterstädtchen oder byzantinische Kirchen in Albanisch sprechenden Enklaven. Wander-, Strand- oder Schneevergnügen. Kalabrien bietet alles, sozusagen nur einen Steinwurf voneinander entfernt. Man fühlt sich wie in einem Kaleidoskop, das die unterschiedlichsten Landschaften, Gebräuche und Klimazonen durcheinanderwirbelt, sobald man nur ein bisschen daran dreht.

 

 

Unsere Reise beginnt in Cosenza, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Das historische Stadtzentrum gilt als eines der schönsten und ältesten Italiens und ist mit seinen monumentalen Palästen, herrschaftlichen Theatern und vielen Kirchen im verschlungenen Gassengewirr wirklich sehenswert. Der Zahn der Zeit hat an der Pracht genagt, was für die einen malerisch antik wirkt, für andere – weniger Optimistische – eher nach Zerfall und Verwahrlosung aussieht. In einem Reiseführer stand treffend: Cosenza hat den Charme Neapels, bloss bröckelt hier alles noch mehr. Rund um den Hügel ist die Stadt in konzentrischen Jahrgangskreisen in die Ebene gewachsen, bis zum weitläufigen Gelände der Universität, der grössten Italiens wohlgemerkt. 

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Die Cosenzer selber sehen ihre Stadt selbstbewusst sozusagen blutsverwandt mit Rom, sind doch beide Städte auf sieben Hügel gebaut, von Kirchen dominiert und vom Wappentier Wolf bewacht. Wobei das Wappentier in Cosenza durchaus auch in Fleisch und Blut in der Wildnis der nahen Berge anzutreffen ist. Selbstverständlich könnte man sich mit lokaler Geschichte hier vertun, uns scheint spannender, sich dem Wechselspiel der Landschaft zu überlassen und wir verlassen Cosenza. Von der Ebene der Sibari mit ihren sanften Hügeln, den Olivengärten und Obstplantagen geht es über gewundene Bergstrassen zum Hochplateau der Sila.

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Das als Nationalpark geschützte Gebirge zerschneidet Kalabrien und ist beliebter Treffpunkt für Sommerfrische oder Wintersport. Auf fast 1400 Metern über Meereshöhe haben wir das Gefühl, wir sind in den Voralpen gelandet, mit weitläufigen Wäldern, Seen und sogar Skiliften. Anfang Mai, Süditalien, 45 Minuten vom Meer entfernt und auf dem höchsten Gipfel der Sila liegt noch der letzte Schnee. Uns zieht es nach Osten, das Ionische Meer funkelt in der Ferne, und wir erkunden auf dem Weg dahin die faszinierende Sila Greca. Ihren Namen verdankt sie den alten Griechen, vor 2500 Jahren war die Region ein Zentrum ihrer Hochkultur.

 

«Vor 2500 Jahren war die Region ein Zentrum der grichischen Hochkultur.»

 

Darauf folgten so ziemlich alle namhaften Herrschervölker: Römer, Byzantiner, Araber, Normannen und Spanier. Im 15. Jahrhundert siedelten sich Emigranten aus Albanien an und blieben, einige ihrer Gemeinschaften bestehen bis heute. Inklusive ihres albanischen – für Aussenstehende völlig unverständlichen – Dialekts. Wir hören ihn in Rossano: Das befestigte Bergdorf klammert sich an die Felswände, seine halb verfallenen Häuser ducken sich im heftigen Fallwind um die kleine Piazza mit der barocken Kirche, innen prächtig griechisch-orthodox ausstaffiert. Wirklich hübsch. Aber das Schönste: Dieser Landstrich scheint vom
Massentourismus nahezu unentdeckt zu sein.

 

 

Über die Passstrassen erreichen wir San Giovanni in Fiore, ein kleines Städtchen mit grossem Ruf. Bekannt sei es weitum für seine Tapisserien und Webkünste, meint Domenico Caruso, seines Zeichens Maestro d’Arte Tessile und ein international bekannter Vertreter seiner Zunft. Caruso kann uns nicht sagen, ob er nun mehr Künstler oder Handwerker ist, aber mit Sicherheit adle ihn seine Arbeit und gebe ihm Brot und Bodenhaftung. Berühmt ist San Giovanni in Fiore als Heimstatt des päpstlichen Juweliers Spadafora, der über Jahrhunderte und Generationen das Privileg besitzt, die geistlichen Kronen und Preziosen zu schaffen. Auf der opulenten Karte steht treffend und man lasse sich das auf der Zunge zergehen: Orafo per passione, maestro per tradizione, dal 1700. Berüchtigt ist der Ort aber als Geisterstadt. Viele Calabresi von hier sind ausgewandert, um in der Fremde ihr Glück zu suchen. Zurückgekehrt sind sie nur kurz, um mit Geld und Ehrgeiz ihren Erfolg in Stein zu meisseln, vielleicht auch mit dem Wunsch, irgendwann
zurückzukehren. Die wenigsten haben es getan, die leeren Häuser sind Mahnmal einer immer noch währenden Abwanderung. Uns zieht es weiter, ans Meer. In Crotone verweilen wir nicht allzu lange, sie ist wie so viele süditalienischen Städte am Meer, finden wir. Fand aber Pythagoras, der alte Grieche, nicht. Über 20 Jahre lebte er in Crotone und gründete hier seine Schule, was ein archäologisches Museum voller griechischer Schätze dokumentiert. Unser Ausrufezeichen und imposanter Schlusspunkt unserer Reise wird die Halbinsel Le Castella. In brausendem Wind und stiebender Gischt steht eine aragonische Trutzburg im Meer, trotzt Zeit und Wind und Wetter seit den Zeiten der Kreuzritter. Auf den Zinnen fühlt man sich, als sitze man mitten in einer Postkarte mit dem schönsten Panoramablick auf diese unglaubliche Region, lässt ihn wirken und sinken und verliert sein Herz. An die unbekannte Schöne Calabria.

Text: Domenica Flütsch | Bild: Flavia Vergani | Quelle: Vergani Magazin 7

 

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