Accademia Vergani

So

Die Idee ist genial, aber sie musste erst einmal erdacht und erfolgreich umgesetzt werden.

 

Beim Besuch einer herkömmlichen Pizzeria bestellt jeder Hungrige eine Pizza seiner Wahl und erhält ein buntes, appetitlich duftendes, knuspriges rundes Backwerk serviert. Nur: Nach dem zweiten Stück ist die Pizza ausgekühlt und schmeckt, als wäre sie von gestern. Für das «SO» an der Zürcher Langstrasse schufen die Brüder Yven Vogel und Darius Notz ein bestechendes, neues Konzept. Es überrascht die Gäste, aber es überzeugt sie rasch: Hier wird nicht eine Pizza bestellt, auch nicht eine für zwei Personen, sondern gewartet, was aufgetischt wird.

 

 

Dem Pizzaiolo stehen zahlreiche Zutaten zur Verfügung, und er lässt sich pausenlos etwas Köstliches einfallen. Vielleicht einen Belag aus Taleggio-Käse, Zwiebeln und Rucola? Oder eine Variation mit getrockneten Tomaten? Die fertigen Pizze gelangen auf runde Holzbretter, in acht Stücke zerteilt, und das freundliche Servierpersonal trägt sie von Tisch zu Tisch. Jeder Gast bekommt ein Stück heisse Pizza auf den Teller, und wenn er damit fertig ist, gibt es ein neues, heisses «pezzo» Pizza. So weit der Hunger reicht, es wird nicht gezählt. Dazu gibt es eine grosse Schüssel Salat für alle am Tisch, und wenn sie leer ist, kommt frisches Grün. Dies ist eine Variante von «à discrétion», die für einen bezahlbaren Pauschalpreis dem Appetit jedes Gastes entspricht.

 

 

Eigenständig bestellen die Gäste nur die Getränke. Ursprünglich wollten die Brüder minimalistich nur einen einzigen Roten und einen Weissen anbieten. Sie wurden vom Weinhaus Vergani zum Glück eines Besseren belehrt, was in einer knappen, aber erlesenen Weinkarte resultierte. Nun haben sie auch hier ein innovatives Konzept erfunden: Bezahlt wird wie in Italien an einer Kasse, und dort steht eine kleine Präzisionswaage. Die Gäste bringen zur Kasse die Weinflasche mit, aus der sie sich bedient haben, und diese wird gewogen. Was fehlt, wird bezahlt. Die Methode findet überall Anklang. Natürlich gibt es auch Wasser und andere Getränke.

Das einmalige Konzept der Gemeinschafts-Pizza und der geteilten Schüssel Salat ist nicht nur kulinarisch zuträglich, weil es immer heisse Pizzastücke garantiert – Es vermittelt auch ein Zusammengehörigkeitsgefühl am Tisch, das eine familiäre Atmosphäre verbreitet. Es entwickeln sich auf die natürlichste Weise fröhliche Tischgespräche, die auch den Appetit auf Gemeinsamkeiten fördern. Die Gäste verlassen das Lokal nicht nur mit zufriedenem Magen, sondern auch mit zufriedenem Gemüt. Und sie kommen immer wieder.

Die Inhaber des Lokals wussten am Anfang nicht, ob ihre Idee ankommen werde. Doch der Erfolg gab ihnen bald recht. Bevor sie den Sprung in die Selbstständigkeit wagten, hatten sie die Bellavista-Bar hinter dem Bellevue geführt. Die Einrichtung der «SO» war ein Abenteuer, zumindest, was die Wahl des Pizza-Ofens angeht, des Herzstücks ihrer neuen Existenz. Er wird mit Gas statt mit Holz befeuert, backt aber die Pizze so hervorragend, dass das Modell sogar den Segen des Pizzabäckerverbandes in Neapel erhielt. Alles wunderbar, aber wäre der Ofen nur wenige Zentimeter breiter gewesen, hätte er nicht ins Lokal gepasst.

 

 

Als das Eckhaus mit der edlen Fassade erbaut wurde, hätten die Besitzer die Farbe des Lokals, die von den heutigen Inhabern gewählt wurde, wohl Resedagrün genannt. Heute wäre Pistache der zeitgemässe Name. Jedenfalls ist die Farbe entspannend und anregend zugleich. Und sie erinnert daran, dass es zum Dessert ein paar wenige Gelato-Sorten gibt und ein hausgemachtes Tiramisu. Oder eine Pizza Nutella, die Einzige, die bestellt werden muss. Und weil das «SO» so
erfolgreich ist bei allen, die «Pazzi per Pizza», verrückt nach Pizza sind, eröffneten Darius Notz und Yven Vogel im April 2018 ein zweites Lokal an feiner Lage – gegenüber dem Zürcher Rathaus, unter den Arkaden, welche am Limmatquai einige Zunfthäuser verbinden.

Bild: Flavia Vergani | Text: Gisela Blau | Quelle: Vergani Magazin 10

 

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