Accademia Vergani

Strandbeiz Stampf - Rapperswil

Zwei junge Frauen sehen sich um, es geht um die Vorbereitung einer Hochzeit. Sie scheinen von dem hellen Restaurant mit grossen Fenstern, die eine weite Sicht auf den Zürichsee freigeben, begeistert zu sein. Das sympathische Lächeln des Gastgebers Ali Sarikaya überzeugt die Damen erst recht, dass es der richtige Ort ist, um das «Ja» zu feiern.

 

Ali wäre ein guter Fussballer geworden, aber auch das Kochen scheint ihm in den Genen zu liegen. Seine Oma versorgte ihn schon als kleinen Buben mit Rezepten und mit einem ganz wichtigen Motto für seine Laufbahn in der Gastronomie: «Du darfst keine Angst vor der Arbeit haben, die Arbeit muss Angst vor Dir haben.» Diesen Satz scheint ihn durch die ganze Karriere zu führen, dazu gehörten die Hotelfachschule Zürich und diverse berufliche Stationen unter anderem bei «Fischers Fritz». Aber auch der See schien ihn nie loszulassen, denn er verwöhnte Gäste immer mit Blick auf das Wasser. Der verheiratete Vater von zwei Kindern führt durch das Badi-Restaurant «Stampf» in Rapperswil-Jona. Hell und südlich wirkt das viele Holz an Wänden und am Boden, das er eigenhändig eingekauft und eingebaut hatte, vor rund vier Jahren. Draussen segeln Möwen dem Wind entgegen, und Ali pariert der Knausrigkeit des Zeitgeistes – durch Humor, Fantasie und Empathie.

WLAN? Leider nein. Denn hier sitzen Menschen sich gegenüber und geniessen eine währschafte Küche mit Fischen von Fischern am Obersee, mit Fleisch vom Metzger da hinten und Brot vom Bäcker da vorne. Und wenn es mal ein bisschen bunt werden sollte, dann bringt er dem Nachbar auch mal einen Wein als Geste. Das kommt gut an, erst recht wenn der edle Tropfen aus dem Hause Vergani stammt. Eine geschäftlich-freundschaftliche Beziehung, die dem Globalisierungswahn die Rote Karte zeigt. Wie kam es eigentlich zu dieser Zusammenarbeit? Ali muss lachen: «Wie das Leben eben so spielt.» Er sei mal in Zürich ausgegangen, mit Freunden und so beim Anstehen hielt Gianni ihm spontan eine Schüssel Pommes hin – oder wars umgekehrt? Egal, auf jeden Fall führte diese Situation zu einer Kooperation, wie sie im Bilderbuche steht. Heute treffen sich die beiden, als hätten sie mal zusammen Fussball gespielt.

 

 

Ali ist vom Familienbetrieb überzeugt. Man merke das einfach als Kunde, und lächelt zu Gianni rüber. Wenn die Familie hinter einem steht und die Arbeit mit der
Leidenschaft fusioniert, dann gewinnen alle an Qualität am Leben oder anders formuliert, das Wort «Alltag» hat sich Ali aus dem Wörterbuch streichen lassen.

  

 

Ali bestätigt, dass sich die Gastronomie sehr verändert, die Gäste hätten mehr Kompetenz im Wissen, aber auch vielfältige Bedürfnisse, von der Gesundheit oder vom Bewusstsein des Essens angefangen. Er sähe darin keine Belastung, sondern man unterhielte sich auf einem anderen Niveau, und deshalb sei die Qualität der Produkte immer wichtiger. Und wenn der Job einem am Herzen liegt, dann sieht man das als Herausforderung. Der Gastgeber betont, das der Faktor Mensch auch im Geschäft die wichtigste Rolle spielt, gegenüber den Kunden, den Mitarbeitenden und den Geschäftspartnern. Das wirke sich auf die Stimmung im Restaurant aus; egal, ob hier CEOs, Politikerinnen, Künstler, Elektriker, Models oder Pilger vom nahegelegenen St. Jakobsweg speisen; sie kehren beim ersten Mal hier ein, als wären sie schon immer hier gewesen. Klingt vielleicht etwas pathetisch, aber dem Verfasser ging es auf jeden Fall so und das, ist ein gutes Zeichen...

Text: Urs Heinz Aerni | Bild: Flavia Vergani | Quelle: Vergani Magazin 8

 

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