Vino e vita

Biodynamischer Wein

Weinkultur oder Kult? Wir finden: Probieren geht über studieren.

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Die biodynamischen Weinbetriebe orientieren sich an den kosmischen Kreisläufen. (Bild: Flickr/Rafolas)

Erinnern Sie sich an unser Thema Amphoren? Diese Weinbehälter sind untrennbar verbunden mit der Weinwelt der biodynamischen Weine. Biodynamik ist im Weinbau zur Zeit ein grosses Thema und wird recht kontrovers diskutiert. Die einen meinen, es sei eine Art Religion, die anderen ein Trend und wieder andere nennen es eine Methode. Wir finden, man sollte es sich mindestens einmal etwas näher ansehen. Dann sieht man nämlich schnell, dass es um eine ganz grundsätzliche Einstellung geht. Nämlich dass man einen Weinberg nicht isoliert ansehen kann sondern als ein Zusammenspiel von ganz vielen Wirkfaktoren, die im Gleichgewicht gehalten werden müssen. Das haben bio und biodynamisch gemeinsam. Beide gehören in die Kategorie der Bioweine, das ist sozusagen die Basis. Was bedeutet, dass beispielsweise auf synthetische Spritzmittel verzichtet wird, keine Kunstdünger verwendet werden und die Rebzeilen begrünt – also unterpflanzt – sind. Auch werden keine künstlichen Schönungsmittel verwendet und alles, was vom Rebstock kommt, bleibt im Rebberg: Trester und Hefereste, Blätter und Winterschnitt beispielsweise werden zu Dünger.

Bei den biodynamischen Weinbetrieben wird nun noch ein gewaltiger Schritt weiter gegangen. Man schaut auf den Mikro- und den Makrokosmos und geht davon aus, dass die kosmischen Kreisläufe Einfluss haben auf Wachsen und Gedeihen. Man geht sozusagen ins Feinstoffliche oder ins Kosmische. Vielleicht kennen Sie ja das Prinzip der Mondphasen und deren Einfluss auf die Natur. Solche Gesetze finden Eingang. Das Ziel liegt darin, dass die Natur sich selbst erhält, der Mensch dient nur der Unterstützung. Grundlage des biodynamischen Rebbaus bildet ein anthroposophisches Weltbild, sein Begründer war Rudolf Steiner. Wer nun meint, das Ganze sei Hokuspokus, der wird dem Konstrukt wohl nicht gerecht. Es geht dabei viel mehr darum, ein ganzheitliches Verständnis der Natur umzusetzen. Frei nach Shakespeares Hamlet, als dass es wohl mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als unsere Schulweisheit oder Wissenschaft erklären mag. Biodynamische Betriebe lassen auch das Nichterklärbare zu. Ob es nun Kieselerde ist oder in Kuhhörner vergrabener Mist, Brennnesselgülle oder das Schneiden der Pflanzen zum Leermond, die Regeln sind ein fein abgestimmtes Gesamtwerk nach den Rhythmen der Natur. Und Fakt ist ebenfalls, dass diese Regeln schon seit Generationen angewendet wurden und erst mit der Industrialisierung verschwunden sind. Natürlich erstreckt sich das Regelwerk und die feinen Beziehungen von Mond und Sternen auf alle Lebensbereiche. Ein Alltagsbeispiel gefällig? Viele Hebammen und Spitäler planen zu Leer- und Vollmond oft Doppelschichten, da an diesen Tagen signifikant mehr Babys zur Welt kommen. Oder Coiffeure schwören auf Löwetage für das Haareschneiden. Keine Angst, das hat nichts mit Weinbau zu tun, wohl aber mit überlieferten Mondregeln. Wer das nun anzweifelt, der darf. Er (oder sie) darf aber auch daran denken, dass der Mond ganze Ozeane heben und senken kann. Also ist es vielleicht doch nicht ganz so Hokuspokus, dass diese Kräfte auch auf uns oder eben auf Reben wirken.

Ob die biodynamischen Weinebesser sind oder anders sind, ist dabei gar nicht das Wichtigste, da soll doch der Geschmack entscheiden. Was aber oft passiert bei diesen Weinen, ist dass die biodynamische Wirtschaftsweise das Terroir im Wein geschmacklich stark erlebbar macht und dadurch komplexe, vielschichtige Weine hervorbringen kann. Wir finden, man sollte auf jeden Fall mit Neugier das breite Feld an Möglichkeiten zur Weinhorizonterweiterung nutzen, das biodynamische Weine eröffnen können. Denn schlussendlich entscheidet allein der Wein, ob er einem gefällt oder nicht. Biodynamisch hin oder her. Es wäre aber schade, wenn man sie einfach so vom Radar streichen würde, man wäre bestimmt um die eine oder andere Weinüberraschung ärmer.

Unsere Empfehlung: Probieren Sie es doch einmal die biodynamischen Weine des Produzenten Querciabella.

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