Vino e vita

Friulano: Weissweine mit Weltruhm

Weissweine aus dem Friaul haben Weltruhm, haben Gambero Rossos' drei Gläser und sind Kult. Dabei spielt der Friulano eine Schlüsselrolle.

Schiopetto

Mario Schiopetto „der legendäre Pionier des Collio-Weines". (Bild: Flavia Vergani)

Der Friulano – der Zauber liegt im Wort - ist ein Wein aus der Weinregion Friaul, dem berühmten Weinland im Dreiländereck im Nordosten Italiens, weltbekannt für seine charakterstarken Weissen. Er ist dabei der wohl eigenständigste Weisswein der Region, ein interessanter Terroirwein mit spannender Mineralik und einer würzig-fruchtigen Aromatik. Ein Kind seiner Heimat, dieses Schmelztiegels verschiedener Temperamente und Kulturen. Eine spannende Mischung aus italienischem Temperament, slowenischer Ecken und Kanten und einem Schuss österreichischem Schmäh.

Auf den Hügeln im Grenzland nahe zur slowenischen Grenze wachsen – was wohlbekannt ist - herausragende Weissweine mit Weltruhm. Das Gebiet war lange Zeit ein weintechnisch blinder Fleck auf der Landkarte und mehr in den Schlagzeilen als Spielball zwischen Ost und West, im Dreiländereck Italien, Österreich und Slowenien. Hier kelterten die Einheimischen über Jahrhunderte eine der ältesten Weissweinsorten überhaupt, den Tocai. In der Sprache der Region, mit ihren slowenischen Einflüssen, bedeutet Tocai so viel wie „Hiesiger“, der Wein von hier. Als sich der Weisswein nachhaltig verjüngte und verbesserte und in die Herzen der Weinliebhaber schlich, kam der Ruhm. Und mit dem Ruhm folgen die Neider auf dem Fuss. Beim Tocai waren das die Ungarn, die die Gunst der Stunde nutzen und die Bezeichnung Tocai für einen Wein europaweit schützen liessen, der aus Sorten gekeltert wird, die mit dem friaulischen Tocai so gar nichts gemein hatten. Stoisch entschieden die Friulander, dass der alte Wein noch immer ein hiesiger war und auch bleiben sollte und nannten ihn fortan einfach „Friulano“, was ja im Grunde genommen das Gleiche bedeutet: Der Wein Friauls.

Es war der erste reinsortige Weisswein aus eben dieser Tocai Friulano, der das Friaul auf die Weinweltbühne katapulierte. Damit untrennbar verbunden ist der Name Mario Schiopetto. Der berühmte Weinkritiker H. Johnson nennt Mario Schiopetto ehrfurchtsvoll „den legendären Pionier des Collio-Weines“. Schiopetto brachte eine visionäre und moderne Önologie ins Friaul mit reduzierten Flächenerträgen, Temperaturkontrolle bei der Vergärung und Ausbau in Holzfässern. Es war sein Glaube an die Einzigartigkeit des typischen Mergelbodens mit Kalkstein, der ihn Geschichte schreiben liess mit eleganten, raffinierten Weinen. Das einzigartige Terroir vulkanischen Ursprungs war Fluch und Segen zugleich, 1976 zeigte es brutal seine zerstörerische Herkunft. Erdbeben erschütterten folgenschwer die ganze Region, nahezu Tausend Menschen kamen ums Leben, 45‘000 verloren ihr Hab und Gut. Eine Welle der Solidarität liess Staat und Heer Hilfe leisten, so dass die Region zügig wieder aufgebaut werden konnten, was moderne Infrastrukturen und Wohlstand brachte.

Geschmacklich liegt der Friulano irgendwie zwischen Gewürztraminer und Pinot Grigio, aber eben nur irgendwie. Auf jeden Fall benötigt er für seine Komplexität nicht einmal den Ausbau im Holz, er hat rein durch seine Mineralik und Fruchtaromatik schon viele Facetten.

Facettenreich wie seine Heimat: Friaul-Julisch Venetien bietet ein Kaleidoskop an Natur, Kulturen und Geschichte. Es reicht von den wild-zerklüfteten Gipfeln der Dolomiten über ein sanftes Hügelland bis zur Adria mit langen Sandstränden, Lagunen und Felsklippen. Ein verwirrender Geschichtsverlauf beutelte das 3-Länder-Eck:  mal gehörte es zur österreichisch-ungarischen K&K-Monarchie, dann kam es nach dem ersten Weltkrieg zu Italien. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es zum Zankapfel des Ost-West-Konfliktes und einfach zwischen Italien und Jugoslawien aufgeteilt.  All das formte das Friaul zu einem Gebiet mit vielseitigem Kulturerbe und friedlicher Koexistenz, einer Mischung aus österreichischer Gelassenheit, italienischem Temperament und slowenischer Arbeitsamkeit.

Im diesjährigen Magazin gibt es spannende Beiträge zu unseren Produzenten aus dem Friaul zu entdecken, Sie dürfen sich jetzt schon freuen.

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