Vino e vita

Kulinarische Neujahrsbräuche: Lenticchie, Hot Pint oder Münzenbrot?

Auch vom Essen und Trinken verspricht man sich Glück, Erfolg und Gesundheit in der Neujahrsnacht. Schauen wir mal über den Schweizer Glasrand.

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Die lange Tradition der kulinarischen Silvesterbräuche (Bild: Flickr/France Bon Appétit).

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, er liebt Rituale und Bräuche. Dazu gehören auch traditionelle Menus zum Jahreswechsel. Zudem neigt der Mensch zu Aberglauben. Besonders gut beobachtbar ist das an Silvester mit all dem Wünschen, den Glücksbringern und den guten Vorsätzen zum neuen Jahr. Das hat lange Tradition, schon unsere Vorfahren nutzten die Zeit der Jahreswende für allerlei Orakel und Vorhersagen. Damals wie heute hofft man auf eine bessere Zukunft mit mehr Geld, mehr Glück, mehr Gesundheit. Dabei sind auch einige der Silvesterbräuche kulinarischer Natur. Schauen wir uns doch mal ein bisschen um.

Italien lässt es sich gut gehen: Daheim oder in Restaurants wird ausgiebig, opulent, bunt und laut gefeiert, der Tisch ist reich gedeckt mit allem, was das Land zu bieten hat. Die Italiener lieben ihr Cenone di Capodanno, das grosse Silvesteressen. Die Speisen sind je nach Region verschieden, fast überall aber gibt es viel Fisch und Meeresfrüchte. Und viel vom besten Wein. Zu Mitternacht gibt es in ganz Italien "Lenticchie" (Linsen). Linsen gelten als Glücksbringer, da sie wie viele kleine Münzen aussehen. Ein witziger Brauch ohne Essen: Zu Silvester ist rote Unterwäsche ein absolutes MUSS. Nur wer in roter Wäsche rutscht, hat Hoffnung auf Glück und Erfolg. Egal ob Boxershorts oder Spitzentanga: Rot muss sein. Damit es klappt sollte die Unterwäsche von jemandem geschenkt worden sein, an Silvester zum ersten Mal getragen werden und am Neujahrstag entsorgt. Dann ist Einem das Glück ein Jahr lang hold.

Frankreich schlemmt gemächlich: Die Franzosen nehmen es eher ruhig, statt Feuerwerk knallen hier Champagnerkorken. Gefeiert wird mit Freunden und Verwandten, traditionell mit Foie gras, Hummer oder Austern. Da Feuerwerke für Private verboten sind, gibt es wenig Himmelsspektakel, aber in Paris gibt es ein offizielles, grosses Feuerwerk mit einem Rundum-Glückwünschen an der Silvesterparty auf den Champs-Elysées.

Die Schotten sind bekanntlich ein schrulliges, kerniges Völkchen. Das zeigt sich besonders bei den Festlichkeiten rund um ihren Neujahrstag, den „Hogmanay“. Der wird so ausführlich gefeiert, dass gleich auch noch der 2. Januar ein Feiertag ist. An Silvester bewaffnen sich die Schotten mit einem Glas Whisky (wen wunderts), einem Stück Kohle, Früchtebrot, Salz und Shortbread und klopfen damit an fremde Türen. Denn ein Fremder bringt Glück ins Haus in der Neujahrsnacht. Den fremden Gästen wird ein „Hot Pint“, eine Art Punsch aus Ale, Eiern, Zucker und Whisky, kredenzt. Und als Festschmaus gibt es „Haggis“, ein mit Innereien und Hafermehl gefüllter Schafsmagen. Böse Zungen behaupten, dass man dafür ein altes Schaf schüttelt, das Innere nach aussen kehrt, alles in den Magen stopft und kocht. Was natürlich so nicht stimmt.

Spanien feiert den Jahreswechsel mit Glockenschlag und Glückstrauben auf den Plätzen. Die uvas de la suerte werden kurz vor Mitternacht bereit gemacht und punktgenau mit jedem Glockenschlag gegessen. Mit jeder Traube kann man sich etwas für das nächste Jahr wünschen. Pakete mit 12 Weintrauben werden Überall angeboten, auch von fliegenden Händlern auf der Strasse. Aber davor wird meist im Familienkreis geschmaust, mit Vorliebe darf es auch etwas Teureres sein: Meeresfrüchte, guter Schinken, Rinderfilets. Dazu trinkt man wirklich guten Wein und Cava zu den Süssigkeiten.

Die Dänen feiern bescheiden: Ein einfacher Stockfisch, bestenfalls selbst erlegt und getrocknet, wird mit einem Aquavit getrunken. Die mit Kümmel verfeinerte Spirituose sorgt für ausgelassene Stimmung und einen geschmeidigen Sprung vom Stuhl. Denn die Dänen hüpfen nach dem Countdown alle gemeinsam von erhöhter Lage auf den Boden. Egal ob Stuhl, Tisch oder Kiste. Das soll Glück und Gesundheit bescheren.

Bei den Russen wird es leicht dramatisch: Um Mitternacht wird ein Herzenswunsch auf einen Zettel geschrieben, dieser wird wirkungsvoll verbrannt und die Asche in ein Glas Champagner gebröselt. Wichtig dabei ist, dass das Ganze in genau einer Minute erledigt wird, Austrinken inklusive. Für viele Russen gehören Mandarinen in die Silvesternacht, egal ob als Saft, Saft, Frucht oder Glacé. Und sehr beliebt sind Piroggen und Kaviar, begleitet von einem Eiersalat. Und ja, auch an Silvester wird fleissig Vodka getrunken, man muss ja den Aschenchampagner irgendwie runter spülen.

In Griechenland ist der Jahreswechsel wesentlich bedeutungsvoller als Weihnachten. Dieser wird dann auch mit einem grossen Essen gefeiert mit Lamm- Ziegen- oder Schweinefleisch, Salate und süssen Kuchen. Und ähnlich unserem 3-Königskuchen backen die Griechen ein Münzenbrot. Wer beim Essen auf eine Münze beisst, darf sie behalten, aber für den Zahnarzt reicht das dann doch nicht. Ohne Ouzo und Glücksspiel geht aber gar nichts, bei Karten- oder Würfelspielen zu Hause oder im Kasino wird legal oder illegal in einer einzigen Nacht ein dreistelliger Millionenbetrag verspielt. Den Gewinnern soll dann das ganze Jahr über das Glück hold sein.

Wir wünschen Ihnen frohe Festtage!

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