Edizione Vergani

Morbide Schönheit Palermo

Palermo? Naserümpfen! Zu viel Dreck, Zerstörung und Mafia. Nicht im Geringsten! Palermo gehört zu den Kulturhochburgen Italiens.

Jota Barros
(Bild: Flickr/Jota Barros)

 

Sizilien ist immer schön, aber Palermo? Für viele Reisende heisst es schnell: Nein danke. Vielleicht sollte man der altehrwürdigen Dame aber eine wohlwollende Chance geben.

Zugegeben, Palermo und die morbide Schönheit ihres Zerfalls brauchen einen zweiten Blick für die grosse Liebe. Aber niemanden lässt die ehrwürdige Grandezza der alten Palazzi kalt, noch immer haftet ihr eine Aura von Schönheit und Prachtentfaltung an. Auch wenn Palermo seine besten Tage ganz offensichtlich schon sehr lange hinter sich hat, zeugt die Stadt von einem faszinierenden Lebenswillen und bietet eine breite Palette an Sprachen, Kulturen, Religionen und Kulinarik. Denn von der Antike bis heute wollten sie alle besitzen: Phönizier, Griechen, Römer, Spanier und Araber. Sie alle haben sich über die Stadt hergemacht. Keiner konnte sie für immer halten, aber ihre Spuren haben sie alle hinterlassen. Der 2. Weltkrieg, Korruption, Kriminalität und ein Ringen um Macht zwischen Kirche, Politik und Mafia haben sie dann entgültig in die Knie gezwungen. Exorbitante Arbeitslosenzahlen und hohe Armut sind auch heute Alltag, aber es weht ein Hoffnungsschimmer durch die Stadt: Die Kultur soll es richten, soll den Tourismus beleben und verborgene Schönheiten der Stadt zu vorschein bringen.

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Gezeigt werden mutig nicht nur die Schönheiten, sondern auch die Wunden der Stadt. Ein vierköpfiges Leiterteam hat Palermo auf den Zahn gefühlt und sich die kreativen Köpfe zerbrochen über Migration, Technik und Natur. Entstanden ist ein packender Reiseführer, der Palermo Atlas. Kein anderes Werk hat Palermo akribischer und kritischer unter die Lupe genommen und dabei so viele ungewöhnliche und eindrucksvolle An- und Einsichten der bröckelnden Schönheit aufgedeckt. Der Palermo Atlas ist Dokumentation und Diskussion gleichermassen und hat das Zeug zum Kultbuch. So führt der Atlas durch die Stadt und bietet allerlei Anektoten und Hintergrundwissen. Wussten Sie, dass über 100 Kinofilme in Palermo gedreht wurden? Oder wie viele Religionen mit allen Prozessionen wann und wo feiern? Es gibt neutrale statistische Karten über Migrationsströme von Pflanzen und Menschen. Zudem Daten und Informationen über die Kunstwelt. Die geschundenen Fassaden der Barockpaläste, die Brachen und Bauruinen werden durch die Kunstschaffenden genauso belebt und inszeniert wie Museen, Gärten und Plätze und bieten ein ganz neues Bild der Stadt. Aber auch beliebte Sehenswürdigkeiten wie der botanische Garten oder der Palazzo Reale mit seiner goldverzierten Kapelle gehören zur Entdeckungsreise. Und natürlich das Teatro Massimo, eines der grössten Opernhäuser Europas.

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Wem das alles zu viel des Guten und der Kunst ist, der kann sich auch einfach ohne Atlas durch die Stadt treiben lassen. Palermo ist ein Mekka für Instagramer und „Streetfoodies“, fast alles ist hier irgendwie fotogen und findet auf der Strasse statt. Essen ist meist auch in die Hand zu haben. Wie beispielsweise die Arancini, die faustgrossen, gefüllten und frittierten Reisballen. Oder herrlich frische, gefüllte Sardinen. Die Palermitani schwören auf das Panino con la mievusa, ein Brötchen mit Zwiebeln, Schweinsschmalz und gebratener Milz! Zugegeben, nicht jedermanns Sache, wie auch der grillierte Schafsdarm, der Stigghiole. Für weniger Experimentierfreudige wäre vielleicht das pane e panelle, Brötchen mit frittierten Kichererbsen-Küchlein oder der fantastische sizilianische Rohschinken aus Nebrodi ein Vorschlag. Und für Schleckermäuler natürlich die berühmte Granita, das frische Halbgefrorene aus Orangen oder Beeren oder Kirschen. Am Besten setzt man sich irgendwo in einem der vielen, kleinen Gässchen hin und lauscht dem Treiben, umgeben von der Stadtluft, welche sich nach der frischen Wäsche, die über die Gassen hängt und Gekochtem aus unzähligen Küchen riecht und lässt das volle Leben etwas sacken. Natürliche Passung dazu: ein Glas feiner Wein vom Ätna. Damit verdaut man auch den Palermo Atlas. Aber auch ohne Wein macht Palermo irgendwie trunken, nämlich trunken von ungefilterter, purer Lebenslust. 

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