Accademia Vergani

Accademia del Gusto - Zürich Kreis 4

Dienstag im Zürcher Kreis 4. In eisiger Januarkälte spaziere ich vom Helvetiaplatz hinüber in die Rotwandstrasse und freue mich auf ein warmes Willkommen, das mir vorgängig in Aussicht gestellt wurde, wenn ich das Ecklokal Accademia del Gusto besuchen würde.

 

Tatsächlich stimmt mich der Eintritt in das italienische Restaurant angenehm entspannt. Ein dunkel gehaltenes Interieur und weisse, frisch gebügelte Tischwäsche geben einem das Gefühl, an einem weltmännischen, gediegenen Ort angekommen zu sein. Mitten in der Finanzkrise ein bankrottes Restaurant übernehmen? überlege ich, während ich auf das Betreiberehepaar Piscopo warte. Für so ein Unternehmen ist man besser entweder jung und mutig oder, hoffentlich, ziemlich gut in dem, was man tut. Stefano und Mariana Piscopo sind offenkundig beides: Seitdem das engagierte Paar das Ristorante Accademia del Gusto – vor dem Wirtewechsel hiess es noch Accademia Piccoli – im Zürcher Kreis 4 bewirtschaftet, sind die Tische wieder erfreulich voll.

Businessleute bestellen bei Chefkoch Stefano mittags Menus, die Kalbsbraten oder zartes Kaninchenfilet vorsehen oder frische Teigwaren à la minute (wofür man hier gerne eine halbe Stunde wartet). Abends lockt die italienisch anmutende Atmosphäre des Lokals Romantiker an, die bei gedimmtem Licht gerne gemütlich essen und zwischen den einzelnen Gängen Pausen einlegen. Nach von Hand zubereiteten Amuse bouches folgen Vorspeisen wie lauwarme, frische Artischockenherzen mit Burrata (also mit Milchcreme gefüllter Mozzarella) oder gebratene Gänseleber an karamelisierter Ananas und Zwiebel. Pause. Danach geht es zum Beispiel zur Tagesspezialität über, zu Scampi (aus Südafrika) oder einem Stück Schweizer Kalbfleisch, beides direkt vom Holzkohlengrill (Holzkohle, genau!). Und dann folgt, auch zum Beispiel, die Spezialität des jungen alten Hauses, das Rindsfilet auf piemontesische Art zubereitet (das heisst, es wird am Stück vier Stunden bei 80 Grad niedergegart), das mit hausgemachtem Kartoffelstock und frischem Spinat serviert wird. Nochmals definitiv Pause.

 

 

Das pièce de résistance kommt, wie könnte es anders sein, zum Schluss: die Torta Saint Honoré Accademia, deren Rezept aus Verona von Piccoli, der Gründerfamilie des Restaurants, stammt (und die man selbstverständlich auch bestellen und mitnehmen kann). Auch was dazu an Grappasorten angeboten wird, ist eindrücklich. Am schönsten aber, finde ich, bleibt die Stimmung, die man als Gast mit den jungen Entrepreneurs den ganzen Abend über geniesst: familiäre, ungekünstelte Italianità. Und als ich wieder in die Januarkälte hinaustrete und Richtung Helvetiaplatz zurückwandere, freue ich mich, zudem etwas erfahren zu haben, was (noch) nicht im Gästebuch des Accademia del Gusto steht: dass dort mit Stefano Piscopo ein junger Profi aus Lecce kocht, der keine Angst vor grossen Sternen hat.

Text: Delia Lenoir | Bild: Torvioll Jashari | Quelle: Vergani Magazin 4

 

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