Cannonau

Zugegeben, es hört sich verrückt an. Aber irgendwie hat es etwas. Hier geht es nämlich ums Altwerden. Oder besser gesagt um eine Studie zum Altwerden, erforscht an den sogenannten Supercentenarians. Damit sind Menschen gemeint, die ohne allzu grosse Gebrechen hundert Jahre alt oder älter werden.

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Cannonau

Zugegeben, es hört sich verrückt an. Aber irgendwie hat es etwas. Hier geht es nämlich ums Altwerden. Oder besser gesagt um eine Studie zum Altwerden, erforscht an den sogenannten Supercentenarians. Damit sind Menschen gemeint, die ohne allzu grosse Gebrechen hundert Jahre alt oder älter werden.

 

Die Hochburg der alten Männer ist Sardinien. Und mitten im Geschehen, also in der Diskussion um ein wirklich langes Leben steht – wen wundert’s – der Wein. Nicht irgendeiner notabene, sondern der sardische Wein, der Cannonau. Sardinien steht weltweit unangefochten an allererster Stelle, was die Anzahl an über hundertjährigen männlichen Bewohnern anbelangt. Was wiederum die sardische Universität von Sassari auf den Plan gerufen hat, um mögliche Ursachen für diese salomonischen Lebensalter zu erforschen. Sinnigerweise nannte man das Forschungsprojekt «AkeA» – die Abkürzung für «a kent annos» was auf sardisch so viel bedeutet wie «auf hundert Jahre», ein beliebter Gruss auf den Strassen der Insel. Und Forschungsleiter Luca Deiana, ein Jungspunt von 72 Jahren und Professor für Biomedizin an ebendieser Universität wurde fündig. Man höre und staune: Professore Deiana konnte einen engen Zusammenhang zwischen Weinkonsum und Langlebigkeit in seiner Studie beweisen, die Korrelation sei hoch und der Effekt liege nicht beim Wein schlechthin, sondern sei der Ausnahmetraube Cannonau zu danken.

 

Sie weise einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Antioxidanzien auf, was sich positiv respektive abfedernd auf die Zellalterung auswirke. Nicht nur die italienischen Medien haben die Studienresultate und dieses hervorstechende Argument zum sardischen Weinkonsum hochgejubelt. Wer nun denkt, er habe kaum was von Cannonau gehört, täuscht sich vielleicht. Die sardische Inseltraube ist genetisch praktisch mit der in Frankreich bekannten Traubensorte Grenache identisch. Mit über 10‘000 Hektar Rebläche gehört sie zur wichtigsten roten Traubensorte Sardiniens.  Aber nicht nur dort ist sie beliebt, sie zählt nämlich weltweit zu den top fünf Anbausorten, als Grenache Noire in Frankreich oder Garnacha in Spanien. Und um es noch verwirrender zu machen, findet man sie in der Toskana auch unter dem Namen Alicante.

 

Sehr beliebt ist die Traube auch in der neuen Welt, besonders in Australien, Kalifornien und Argentinien wird sie bevorzugt angepflanzt. Dabei hält sie es als Wein ähnlich wie die Inselbewohner: Selten opulent oder laut, eher robust und ohne grossen Firlefanz. Man hält es so wie an der Costa Smeralda: Das grosse Blingbling überlässt man lieber den Touristen. Gekeltert wird sie meist rot, weisse Weine sind selten. Von der Farbe her ist der Wein hell und zudem ist er eher arm an Tanninen und weich, aber alkoholreich. Das macht Platz für Fruchtsüsse mit Aromen von Beeren und Pflaumen. Bei geringen Erträgen oder unter extremen klimatischen Bedingungen kann der Cannonau auch ausgesprochen lagerfähige und konzentrierte Rotweine liefern. Schlagende Argumente für den Cannonau, oder? Na dann, auf Ihr Wohl oder eben. A kent annos!