Was haben die Jahrgänge 1973, 1979 und 1986 miteinander zu tun? Von Generation zu Generation wurden die entsprechenden Barriquefässer, ihr Inhalt und ihre Jahrgangsgeschichte in der Familie Berta weitergegeben. Im Mai dieses Jahres war die Zeit reif, den Destillateschatz zu heben.
Seit 1947 ist der Name Berta über die Generationen hinweg im Piemont fest mit der Kunst des Destillierens verbunden. Grappa, natürlich, aber nicht nur. In der Sonderedition dieses Jahres dreht sich die Berta-Familiengeschichte für einmal nämlich nicht um Grappa, sondern um Brandy. Brandy? So nennt man das Destillat, das entsteht, wenn man Wein destilliert. Grappa (oder Marc) ist ein Traubentresterbrand, der aus den abgepressten Trauben destilliert wird und Brandy ist ein Weinbrand. In Frankreich, genauer gesagt in den Departements Charente und Charente-Maritime, nennt man ihn Cognac, in der Gascogne heisst er Armagnac. Abgesehen von diesen kontrollierten Herkunftsbezeichnungen verwendet man zum Beispiel in England, Spanien oder Italien vornehmlich das Wort Brandy. Soweit die kompakte Warenkunde zum Start. Alles clar?
Im Mai dieses Jahres hat man bei Berta nun eine Brandy-Serie herausgebracht, die schon vor langer Zeit angelegt wurde. Man könnte sie auch als Vermächtnis bezeichnen. «Legàmi» – das sind drei limitierte Weinbrände mit unterschiedlichem Alter: 51, 45 und 38 Jahre lagerten sie in Ruhe und Abgeschiedenheit in verschiedenen Holzfässern. Vom Vater zum Sohn, vom Grossvater zum Enkel, auf jeden Fall ein hochprozentiges und über die Jahre hinweg hochgeachtetes Erbe. Würde man versuchen, das Wort «legàmi» («binde mich») auf Deutsch zu übersetzen, man würde wohl am ehesten von einem «Band» sprechen, das die Familie zusammenhält. Diese gut gehegten, gereiften und gepflegten Brandys verbinden die einzelnen Familienmitglieder unauflöslich, quasi als Blutsbande – Schluck für Schluck.
«Wir mögen Brandy sehr», sagt Giulia Berta. Sie verantwortet die Kommunikation im Familienunternehmen und ist die Tochter von Enrico, genannt Chicco. «Seit Jahren schon stellen wir Brandy her, sie sind ein elegantes und raffiniertes Destillat mit feiner Seele, das wundervolle sensorische Erlebnisse bietet. Weil wir uns schon immer in Nischen, im Kleinen und in der handwerklichen, familiären Dimension wohlgefühlt haben, sind Weinbrände eine sinnliche Bereicherung unserer Produktion», sagt sie.
Der Unterschied bei den Legàmi-Brandys liegt in der Fasslagerung: «Es handelt sich um eine lange Geschichte der Fürsorge und Aufmerksamkeit, nicht nur über die Zeit hinweg, sondern auch räumlich. Paolo begann, diese Fässer in der alten Brennerei in Nizza Monferrato zu bearbeiten, und als wir nach Mombaruzzo umzogen, nahmen wir sie mit in die heutige Destillerie», meint Annacarla, die Tochter des 2015 verstorbenen Gianfranco. Gemeinsam mit ihrer Mutter Simonetta und mit Chicco führen Annacarla und Giulia die Distillerie Berta in die Zukunft. Nur zur Erinnerung: Paolo hat die Brennerei 1947 gegründet. So sei die Selektion für die Familie wie ein Stück Geschichte, zu dem sie alle eine tiefe emotionale Bindung hätten, erzählt Annacarla weiter. «Wenn wir daran denken, dass Paolo die Brandys ins Fass gefüllt hat, fühlt es sich an, als hielten wir etwas in den Händen, das unserem Grossvater gehörte, und als wäre er immer noch bei uns», ergänzt sie. Es sei nicht nur eine Erinnerung, sondern auch etwas, das unglaublich lebendig und voller Energie sei.
«Die Kollektion erinnert uns auch daran, dass das, was wir tun, nicht aufs Hier und Jetzt beschränkt sein sollte. Wenn wir unsere Arbeit richtig machen, können wir etwas schaffen, das noch viele Jahre später geschätzt und genossen wird», so Giulia Berta. Auch wahr sei es, dass Brandy damals, als die Destillate ins Fass gelangten, weit weniger bekannt als Cognac oder Armagnac gewesen sei und dementsprechend auch als weniger wertvoll angesehen wurde. Im Laufe der Zeit hat sich das Image gewandelt und auch der Brandy in den Berta-Fässern wurde immer reifer. Warum hat sich die Familie gerade jetzt dazu entschieden, sie sorgsam in edle Karaffen abzufüllen? «Ganz einfach», sagt Giulia Berta: «Weil sie uns gefallen haben! Als wir die Brandys probiert haben, schien uns der richtige Zeitpunkt gekommen zu sein. Alle drei haben jetzt ein beachtliches Alter und sind dennoch sehr unterschiedlich, jede Sorte drückt eine eigene Facette des Brandys aus.» Und Annacarla merkt an: «Uns gefiel die Idee, drei Flaschen gleichzeitig herauszubringen, weil jeder Brandy seine eigene, klar definierte Persönlichkeit hat und förmlich darauf wartet, so wie er ist, entdeckt zu werden.»
Im Mai wurden die drei Brandys als Rarität für Liebhaberinnen und Liebhaber in einer limitierten Kollektion präsentiert. Hergestellt wurden die Destillate aus Weinen der Region, sorgfältig selektioniert und nach Kunst des Hauses langsam im Wasserdampfverfahren destilliert und danach über die Jahre gereift. In verschiedenen Fassarten und selbstverständlich ohne irgendwelche Farb- oder Aromastoffe. Eine stolze Brandy-Serie aus dem Piemont, ideal für Sammlerinnen und Liebhaber von gereiften und seltenen Destillaten, denn die Stückzahlen sind selbstredend aufgrund des langwierigen und weitreichenden Projekts sehr begrenzt. «Es gibt nur wenige Tausend Flaschen», verrät Giulia Berta. Zum guten Glück arbeiten die Verganis seit Jahrzehnten eng und freundschaftlich mit den Bertas zusammen.



























