Nach dem tragischen Arbeitsunfall ihres Vaters, haben die Zwillinge Marco und Moreno Bruni im Alter von 20 Jahren das Familienweingut in der Maremma übernommen und es mit Hilfe ihrer Mutter Elsa kontinuierlich im Sinne ihres Vaters ausgebaut. Heute strahlen nicht nur ihre Weine.
Die Erfolgsgeschichte des Familienweingutes Bruni beginnt um das Jahr 1955. Es ist eine Familien-Geschichte, die von Leo, dem Grossvater, seinem Sohn Paolo, seiner Frau Elsa und deren Söhne Marco und Moreno. Der Grossvater erkannte früh, dass die reichhaltigen Böden der Maremma, die Nähe zum Meer und das Mikroklima hier ideal wären, um reife Sangiovese zu keltern. Solche, die weichere Tannine zum Vorschein bringen würden als die Weine ihrer bekannten Nachbarn in der Toskana. Er und sein Sohn sahen in der Sangiovese-Traube grosses Potential. Der Traum vom eigenen Wein begann zuerst aber mit der Realisierung eines Bauernhofes. Das Leben war zu dieser Zeit kein Zuckerschlecken in der Maremma – das Wort Oenotourismus kannte kein Mensch. Viel Fleiss, Zeit und Kraft flossen in diesen Jahren zuallererst einmal in die Landbarmachung. Bis der erste Wein – übrigens komplett von Hand – abgefüllt werden konnte, vergingen nochmals etliche Jahre. Aber 1973 war es dann so weit! Der Marta Rosso war geboren und das Jahr drauf kam die nächste Generation, die Zwillinge Marco und Moreno, auf die Welt, alles lief rund. Paolo Bruni erweiterte Ende der 1980er die Rebfläche Schritt für Schritt und verschrieb sich mehr und mehr auch seiner Lieblingsrebsorte, dem Vermentino, den er übrigens als Pionier in der Region, im Jahre 1982 zum ersten Mal abfüllte. Er erkannte das grosse Vermentino-Potential in der Maremma. «Historisch sind die Bauern der Maremma stark mit jenen von Sardinien verknüpft. So kamen nicht nur Schafe und Ziegen, sondern auch die Traubensorten Vermentino und Cannonau, also Grenache, in unsere Region», erzählt Moreno Bruni, der das Familienweingut heute mit seinem Bruder Marco leitet.
Sie waren 20 Jahre alt und hatten ihre ersten önologischen und agronomischen Erfahrungen gerade gesammelt, als ihr Vater 1995 völlig unerwartet aus dem Leben gerissen wurde. Ein tragischer Arbeitsunfall markierte das harte Familienschicksal, das Söhne und Mutter Elsa noch fester zusammenschweisste. «Unsere Mutter ist bis heute das Fundament unseres Unternehmens», sagt Moreno. Gemeinsam ging es jetzt erst richtig ans Werk und so setzten sie das kompromisslose Qualitätsstreben ihres Vaters in den Reben und mit der nötigen Kellertechnik kontinuierlich fort. Bald gewannen sie mit ihren Weinen national, aber auch international mehr und mehr Beachtung. «1996 zeigten wir unsere Weine zum ersten Mal an internationalen Messen, vier Jahre später hatten wir die Produktionsmenge von 140'000 auf 300'000 Faschen verdoppelt», erinnert sich Moreno und fügt an, dass sie ihre Weine heute in zwölf Länder exportieren würden. Heute zählen sie zu den grössten, unabhängigen Weinproduzenten der Region. Sie bewirtschaften 50 Hektar eigene Reben und produzieren 450'000 Flaschen Wein. Zum grössten Teil Morellino di Scansano (Sangiovese), aber auch Grenache, Syrah, Cabernet Sauvignon und Ciliegiolo. «Eine fruchtige, autochthone Sorte, der wir künftig etwas mehr Gewicht geben wollen», so Moreno Bruni.
Die Weissweine der Bruni-Brüder bestehen aus Vermentino, Viognier oder Trebbiano. In der «Guida dei Vini Italiani» kürte Luca Maroni den Perlaia sieben Jahre infolge als besten Vermentino Italiens. 2021 wurde er vom Robert Parker Wine Advocate als bester Vermentino der Welt ausgezeichnet. «Die Maremma, das mediterrane Mikroklima und ihr Terroir spielen dabei die entscheidende Rolle», sagt Moreno. Die beiden Sorten Vermentino und Grenache haben es auch ihm besonders angetan. «Aus der Grenache-Traube haben wir zum Andenken an unsere vierzigste Ernte, der Familie ein Denkmal gekeltert», erzählt er nicht ohne Stolz. Der Wein, den sie Oltreconfine getauft haben, wurde also 2013 zum ersten Mal produziert und nach wie vor in einer Stückzahl von nur 4000 Flaschen. Ende September werden die Trauben von Hand geerntet, anschliessend 25 Tage auf der Maische vergoren. «Es entsteht ein mediterraner Grenache im besten Sinne des Wortes», erklärt Moreno Bruni. «Satt strukturiert, mit frischen Aromen von Brombeeren und verschiedenen Gewürzen. Balsamische Noten in der Nase und am Gaumen», fügt er an. Gambero rosso verlieh dem Oltreconfine in den Jahren 2013, 2015, 2016 und 2017 die höchste Auszeichnung, also tre bicchieri. Complimenti! Und auf zum nächsten Kapitel.
Der neue gebaute Keller wurde 2018 in Betrieb genommen. Auf drei Geschossen fliessen moderne Kellertechnik mit dem traditionellen Handwerksverständnis der Familie zusammen, denn nach wie vor spielen Holz und Zement beim Ausbau der Weine eine wichtige Rolle. Und noch etwas ist wichtig für die Zukunft: «Bis 2026 werden unsere Weine Bio-zertifiziert sein», sagt Moreno. Seit zwei Jahren seien sie in der Konversionsphase, «aber wir verzichten seit über zehn Jahren auf Herbizide und produzieren seit sechs Jahren biologisch.» Zurücklehnen und sich auf den Erfolgen ausruhen, das bleibt für die Bruni-Brüder keine Option.































